Jetzt den „LTE-Turbo“ zünden?

Im Dezember 2017 hat die Telekom Deutschland GmbH drei Postwurfsendungen mit der Überschrift „MAGENTA ZUHAUSE HYBRID“ in Borsdorf verteilen lassen. Geworben wurde mit der Schlagzeile: „JETZT ZUHAUSE DEN LTE-TURBO ZÜNDEN UND MIT BIS ZU 50 MBIT/SEK ZUSÄTZLICH SURFEN“ und noch „60 € Highspeed-Bonus“ sichern. Wenn Sie wissen wollen, was von dem wundersamen „LTE-Turbo“ zu halten ist, dann können Sie hier  die Erfahrungen eines Hybrid-Anwenders aus Borsdorf lesen.

Was meint die Telekom mit „Hybrid“?
Allgemein versteht man in der Technik unter Hybrid ein System, das zwei Technologien, in diesem Fall – DSL (Kabel) und LTE (Funk) – miteinander kombiniert. Zum einen werden Daten über DSL vom Hybrid-Router mit einer Geschwindigkeit von ca. 15 bis 16 Mbit/s bezogen. Zum anderen versucht der Hybrid-Router einen LTE-Mast in der Nähe zu finden, der Daten per Funk senden kann. Für Borsdorf und Panitzsch liefert der Mast in Panitzsch die besten Ergebnisse, wenn der Router entsprechend ausgerichtet ist und das Signal durch Gebäude nicht gestört wird. Wir benutzen Hybrid seit einem Jahr und können bestätigen, dass diese Technik funktioniert und Ausfallzeiten kaum vorkommen. So weit so gut. Aber wie hoch ist der Zugewinn in der Datenübertragung, den ein Telekom-Kunde durch die Hybrid Technik erhält? Wir haben mit dem Telekom Server „speedtest.t-online.de“ folgende Erfahrungen gemacht:

Download  von 8 bis 24 Uhr:   22 Mbit/s      +   6 Mbit/s
Download von 0 bis 8 Uhr   :    24 Mbit/s     +   8 Mbit/s

Upload von 8 bis 24 Uhr:  12 Mbit/s            + 10 Mbit/s
Upload  von 0 bis 8 Uhr :   13 Mbit/s            + 11 Mbit/s

Die von der Telekom angezeigten Übertragungswerte sind fast immer 10 % größer als die anderer Test-Programme. Der Upload hat sich um den Faktor 4 verbessert. Der Zugewinn im Download – und auf den kommt es an – hat uns aber sehr enttäuscht. Einen laut Telekom möglichen Download von bis zu 50 Mbit/s haben wir nie erreicht. Allerdings hatten wir das Gefühl, dass es etwas schneller geht. Das kann auch eine Folge des verbesserten Uploads sein. Internet-Radio mit 320 Mbit/s und paralleles Surfen an einem 2 Computer ist meistens flüssig möglich. Die Telekom begrenzt – wie verspochen – das Datenvolumen nicht, so dass täglicher Download im Gigabyte Bereich möglich ist.

Dieses Ergebnis dokumentiert unsere Erfahrungen und erhebt keinerlei Anspruch auf allgemeine Gültigkeit. Bitte beachten Sie, dass diese Werte mit Standort, Zeit, Auslastung der Server und der Anzahl der Messungen variieren. Getestet wurde mit „speedtest.t-online.de“ und anderen frei erhältlichen Programmen.

Die Möglichkeit, sich durch eine Dachantenne mehr Datentransfer zu verschaffen, wird schwierig. Denn Innerhalb der LTE-Funkzelle existiert eine Priorisierung der Bandbreite, die dafür sorgt, dass zuerst Kunden mit Sprachnachrichten und dann Kunden mit Volumentarifen („via Funk“ oder Handy’s) bedient werden. Hybrid-Kunden erhalten nur den Teil der Bandbreite, den andere Klassen nicht verwenden. Zusätzlich garantieren die AGB’s der Telekom keine Bandbreite, da LTE ein „Geteiltes Medium“ ist. LTE wird erst dann zum DSL-Signal zugeschaltet, wenn dessen Auslastung mehr als 8o% beträgt. Entscheidend für den Hybrid-Zugewinn ist, dass man eine Funkzelle erreicht, die nicht ausgelastet ist. Es kann aber passieren, dass eine kaum ausgelastete Funkzelle von der Telekom abgeschaltet wird.
Anwender der weitverbreiteten Fritz!box haben bei der Verwendung von Telekom-Hybrid ein großes Problem.  Das „LTE/DSL“ Signal kann nur der Telekom-Hybrid Router liefern. Die Einrichtung der Fritz!box und der dort ggf. angeschlossenen Telefone muss geändert werden. Eine gute, aber nicht einfache, Anleitung gibt’s im Internet.

Fazit: Telekom-Hybrid ist ein kleiner Fortschritt mit zusätzlichen monatlichen 9,95 € Mietkosten.

Eine versprochene Übertragungsrate von „bis zu XXX Mbit/s“ ist eigentlich nichts wert, wenn nicht sicher ist, dass die beworbene Leistung jederzeit realisiert werden kann. Dies gilt für alle Internet-Provider. Es besteht Hoffnung, dass der Gesetzgeber die Internet-Anbieter in dieser Legislaturperiode dazu verpflichten wird, nur mit festen und verbindlichen Transferraten Werbung zu betreiben.

Ende Oktober 2017 haben die Gemeinden Borsdorf, Brandis und Naunhof beschlossen, den Breiband-Ausbau gemeinsam voranzutreiben: „Der Borsdorfer Gemeinderat beschloss am einstimmig eine Absichtserklärung, die gleichlautend auch den anderen Parlamenten vorliegt. Die vier Kommunen wollen demnach eine „erhebliche Verbesserung der Versorgungssituation der Haushalte und Gewerbetreibenden“, also „mindestens 100 Mbit/s im Downstream für alle Anschlüsse“. Ausbauprojekte und Fördermodelle sollen abgestimmt, die Gründung einer Betreibergesellschaft oder eines Zweckverbandes, der Netzausbau und -betrieb sowie das Dienstangebot umsetzt, geprüft und Förderanträge gemeinsam eingereicht werden.“ Quelle:
http://www.lvz.de/Region/Wurzen/Borsdorf-sucht-bei-Breitbandausbau-Schulterschluss

Wir sind gespannt, ob dieser Absicht in absehbarer Zeit auch Taten folgen. Dass die Telekom gerade jetzt eine „Bonus“-Werbung bzgl. Hybrid startet, lässt vermuten, dass dies eine Reaktion auf den Versuch der Gemeinden ist, den Breitband-Ausbau selbst in die Hand zu nehmen.

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